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                <idno>III/61</idno>
                <title>Immediatbericht des Kabinettsministers Ludwig Gustav von Thile </title>
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                <publisher>Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)</publisher>
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                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0">CC BY-SA</licence>
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                            <idno type="shelfmark">BPH, Rep. 50, J Nr. 1451, Bl.
                            22–23</idno>
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                    <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0000107">Thile, Ludwig Gustav von (1781-1852)</persName>
                    <placeName>Berlin</placeName>
                    <date when="1841-08-28" cert="high"/>
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                    <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0000107">Preußen, Friedrich Wilhelm IV., König von
                        (1795-1861)</persName>
                </correspAction>
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                        <persName role="signee" ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0000107">Thile, Ludwig
                            Gustav von (1781-1852)</persName>
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            <abstract>
                <p>Der König der Niederlande hat sich, einem mehrheitlichen Wunsch in Luxemburg
                    folgend, von den engen Beziehungen zum Deutschen Bund ab- und dem Ausland
                    zugewandt, worauf wahrscheinlich auch andere Einflüsse wirkten. Wie soll man bei
                    einem etwaigen späteren Anschluss an Frankreich oder Belgien vorgehen? Der König
                    der Niederlande ist darauf hinzuweisen, dass bei manifesten antideutschen
                    Sympathien die Haltung zur niederländischen Handelspolitik in ganz Deutschland
                    ablehnend ausfiele.</p>
            </abstract>
            <abstract type="short">
                <p>Thile an Friedrich Wilhelm IV.: Kritische Haltung des Königs der Niederlande zum
                    Deutschen Bund</p>
            </abstract>
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    <text type="letter">
        <body>
            <div type="writingSession">
                <p>Ewr Königlichen <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0000107">Majestät</persName>
                </p>
                <p>reiche ich das
                    Schreiben Seiner Majestät des <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0000107">Königs der
                        Niederlande</persName> hierbey allerunterthänigst zurück. Schon diesen
                    Morgen hatte mir der Minister von <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0000107">Werther</persName>
                    nach den eingegangenen Depechen des Grafen von <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0000107">Lottum</persName> von der Niederländischer Seits erhobenen Schwierigkeit
                    Nachricht gegeben. Um nach Ewr <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0000107">Majestät</persName>
                    Befehl über die an den König der Niederlande Maj. zu ertheilende Antwort meine
                    Ansicht um so zuversichtlicher aussprechen zu können, habe ich auch den Grafen
                    v. <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0000107">Alvensleben</persName> zuvor darüber zu sprechen
                    versucht, ihn aber verfehlt. Nach meiner Überzeugung ist die von Ewr Majestät
                    beabsichtigte Antwort in der Hauptsache den Verhältnissen aber so sehr wie den
                    wahren Interessen des Königs der Niederlande entsprechend, der es gewiß bald
                    genug zu bereuen haben würde, sich von den engeren Beziehungen zum deutschen
                    Bunde ab- und <hi rendition="#u">dem</hi> Auslande, das ihm nie wahrhaft
                    verbunden sein kann zugewandt zu haben – blos darum, weil eine <hi rendition="#u">Majorität</hi> im Luxemburgischen es so wünscht, während nach
                    des Königs eigener Äußerung vor einem halben Jahr noch die Majorität der Stimmen
                    für die entgegengesetzte Richtung war. Leicht dürften Seine Majestät die
                    Erfahrung machen, daß Sie sich getäuscht hätten, oder vom eigenen Schwager
                    hintergangen worden. Es scheint aber auch <hi rendition="#u">nicht</hi>
                    <hi rendition="#u">ganz</hi>
                    <hi rendition="#u">richtig</hi>, daß nur die Luxemburgsche Stimmung den König
                    jetzt bestimmt – wahrscheinlich sind auch andere Einflüsse im Spiel; denn ich
                    weiß durch Geheimen-Rath <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0000107">Eichmann</persName> mit
                    Bestimmtheit, daß die Anweisung an Herrn von <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0000107">Scherff</persName>, den Traktat <hi rendition="#u">abzuschliessen</hi>, <hi rendition="#u">nach</hi> der Rückkehr des Königs aus Luxemburg gegeben
                    worden ist; er ist also nicht in Luxemburg selbst auf den Gedanken des
                    Abbrechens geführt worden. </p>
                <p>Wenn Ewr Königliche <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0000107">Majestät</persName> einen späteren etwaigen Anschluß an Frankreich oder
                    Belgien für eine Verletzung des Bundespflichts erklären wollen, so unterstehe
                    ich mich dagegen ehrfurchtsvoll zu bemerken, daß es dabey sehr auf die Form
                    eines solchen Anschlußes ankommen dürfte, und die Drohung sich wenigstens nicht
                    in dieser Allgemeinheit rechtfertigen mögte. Ein <hi rendition="#u">Handelstraktat</hi> zB wenn er auch das ausländische Interesse sehr
                    begünstigen sollte, würde sich dem Souverainen Könige immer nicht untersagen,
                    oder wie eine neue Verletzung der Bundespflicht bezeichnen lassen, da viele
                    Bundesglieder ja ähnliche Traktate geschlossen haben, Mecklenburg zB mit
                    Frankreich, Hannover mit England pp. Nur ein vollkommener <hi rendition="#u">Zollverein</hi>, wie der zwischen den deutschen Staaten errichtete, könnte
                        <hi rendition="#u">vielleicht</hi>, wenn er mit Frankreich oder Belgien
                    eingegangen würde, als eine wirkliche Verletzung der Bundesverhältnisse
                    angesehen werden. Ich glaube daher, es dürfte dies überhaupt nicht bestimmt
                    auszusprechen, wohl aber Seine Majestät der <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0000107">König der
                        Niederlande</persName> darauf in seinem eigenen Interesse recht lebhaft
                    aufmerksam zu machen seyn, daß wenn er bey dieser Gelegenheit anti-Deutsche
                    Sympathien demonstrirte, und sich den französischen oder belgischen Interessen
                    zuneigen sollte, dies die Erkältung von ganz Deutschland gegen die Holländische
                    Commercial-Politik – die seit lange schon durch Hollands alleinige Schuld tief
                    eingedrungen ist, in einem Maaß zunehmen würde, daß <hi rendition="#u">Holland</hi>
                    <hi rendition="#u">selbst</hi> unbedingt den größten und schmerzlichsten
                    Nachteil von der jetzigen Verweigerung des Luxemburgischen Ausschlußes empfinden
                    würde. Ich glaube, daß eine solche Perspective, welche die Wahrheit eben so sehr
                    wie das Recht für sich hat, das wirksamste Mittel seyn wird, Seine Majestät den
                    König der Niederlande über seinen wahren Vorteil aufzuklären, und ich stelle Ewr
                    Königlichen <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0000107">Majestät</persName> Weisheit die Erwägung
                    dieser Ansicht in tiefster Ehrfurcht <ref xml:id="d19b1ee9-3060-41be-9b1e-e9306061bee3" corresp="#a01c7b3d-f675-460c-9c7b-3df675d60c5f">anheim.</ref>
                    <note xml:id="a01c7b3d-f675-460c-9c7b-3df675d60c5f" corresp="#d19b1ee9-3060-41be-9b1e-e9306061bee3">Hinsichtlich des Großherzogtums Luxemburg
                            gehörte der König der Niederlande zum Deutschen Bund. Nach der
                            Belgischen Revolution 1830 wurde ein Teil Luxemburgs abgespalten und zur
                            belgischen Provinz gemacht. Luxemburg trat 1842 dem Deutschen Zollverein
                            bei; vgl. hierzu <bibl corresp="https://actaborussica.bbaw.de/v9/ZW3GF6TR">Treitschke,
                                Deutsche Geschichte</bibl>, Bd. 5, S. 439 f. </note>
                </p>
                <closer>
                    <signed>
                        <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0000107">Thile</persName>
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