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                <idno>III/294</idno>
                <title>Handschreiben des Oberstmarschalls Max Egon Fürst zu Fürstenberg an Wilhelm
                    II. </title>
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                <publisher>Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)</publisher>
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                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0">CC BY-SA</licence>
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                            <idno type="shelfmark">BPH, Rep. 53, J Lit. F Nr. 3, Bl.
                            60–63</idno>
                        </idno>
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                    <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0005741">Fürstenberg, MAXIMILIAN (MAX) EGON II. Christian Karl
                        Aloys Emil Leo Richard Anton Fürst zu (1863-1941)</persName>
                    <placeName>Donaueschingen</placeName>
                    <date when="1911-12-16" cert="high"/>
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                    <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0005741">Preußen, Wilhelm II., deutscher Kaiser und König
                        von (1859-1941)</persName>
                </correspAction>
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                    <change type="signing">
                        <persName role="signee" ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0005741">Fürstenberg,
                            MAXIMILIAN (MAX) EGON II. Christian Karl Aloys Emil Leo Richard Anton
                            Fürst zu (1863-1941)</persName>
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            <abstract>
                <p>Dank für die Aufnahme des Sohnes in das Regiment Garde du Corps. – Erkrankung
                    Kaiser Franz Josephs. – In Wien bekämpfen sich zwei politische Richtungen, was
                    zur Entlassung des Generalstabschefs Franz Conrad von Hötzendorf führte und
                    Österreich vielleicht bald einen neuen Ministerpräsidenten beschert; die
                    Habsburger-Monarchie leidet offenkundig unter diesen Zuständen. </p>
            </abstract>
            <abstract type="short">
                <p>Fürstenberg an Wilhelm II.: Dank und Bericht zum politischen Richtungsstreit in
                    Österreich</p>
            </abstract>
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    <text type="letter">
        <body>
            <div type="writingSession">
                <p>Euere Majestät, Allergnädigster Kaiser, König und Herr </p>
                <p>In der Freude
                    meines Herzens wage ich es Euerer <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0005741">Majestät</persName>
                    zu nahen und meinen innigsten und ehrfurchtsvollsten Dank Euerer Majestät zu
                    Füssen zu legen: für den erneuten grossen Huldbeweis, mit dem Euere Majestät
                    mich und meinen <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0005741">Sohn</persName> zu beglücken geruht
                    haben. Die seltene Gnade, dass mein Ältester, ohne die Fähnrichsprüfung
                    abzulegen, Mitte März in Euerer Majestät herrliches Regiment der Gardes du Corps
                    eingestellt wird, empfinden wir dankeserfüllt als besondere grosse Auszeichnung.
                    Dieser wahrhaft väterlichen Fürsorge sich stets würdig zu erweisen, wird meines
                    Sohnes heiliger Lebenszweck sein. Er wird, das weiss ich, sein Bestes einsetzen
                    und Euerer Majestät als treuer Unterthan und braver Soldat dienen! Uns, seinen
                    Eltern, bleibt diese huldreiche Erfüllung unseres innigsten Wunsches tief in
                    unseren dankschuldigen Herzen eingegraben! Der liebe Gott segne Euere Majestät
                    für die vielen mir und den Meinen erwiesenen liebreichsten Gnadenbeweise!
                    </p>
                <p>Ich komme eben aus <placeName>Wien</placeName>, und darf
                    Euerer Majestät vielleicht allerunterthänigst berichten, dass das Befinden
                    Seiner Majestät des <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0005741">Kaisers Franz Joseph</persName>
                    nicht besonders befriedigend ist. Der Katarrh will nicht weichen, und seit zwei
                    Tagen ist eine recht starke Heiserkeit hinzugetreten. Alle Vorträge und Empfänge
                    wurden abgesagt. Die Ärzte versichern nach wie vor, dass kein ernsteres Leiden
                    besteht. Gott gebe es! </p>
                <p>Ich hatte Gelegenheit einen eigenhändigen Brief
                    des Generals von <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0005741">Hötzendorf</persName> zu lesen, worin
                    er in seiner bitteren Weise schreibt: „ich habe <hi rendition="#u">nicht</hi>
                    meine Demission gegeben, sondern ich wurde plötzlich <hi rendition="#u">entlassen</hi>, als Opfer Aehrenthals“ – Wie ich bestimmt erfuhr, ist
                        <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0005741">Erzherzog Franz</persName> auch durch Konrads
                    Entlassung überrascht worden. Der hohe Herr soll darüber außerordentlich
                    ungehalten und empört sein und alle Schuld dem Minister <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0005741">Aehrenthal</persName> zuschieben. Es herrschten in Folge all’ dieser
                    Vorgänge in <placeName>Wien</placeName> sehr unerquickliche
                    Zustände, denn ich darf dies wol <hi rendition="#u">vertraulich</hi> bemerken:
                    es bestehen eigentlich zwei Regierungen, die mit einander Krieg „aufs Messer“
                    führen! Sowol für den Minister des Äusseren wie für die beiden
                    Ministerpraesidenten in Österreich und Ungarn, entstehen dadurch Zustände,
                    welche eine einheitliche Arbeit einfach unmöglich machen. All’ diese Leute sind
                    wahrhaft zu bedauern, da sie nicht mehr wissen, wem sie gehorchen sollen. Mir
                    bangt wirklich vor der nächsten Zukunft, denn <hi rendition="#u">so</hi> kann es
                        <hi rendition="#u">lange</hi> nicht fortgehen, ohne grossen Schaden im
                    Innern und Verwirrung ausserhalb der Grenzen der Monarchie, anzurichten.
                    Vorderhand scheint Graf Aehrenthal noch das volle Vertrauen Seiner Majestät zu
                    besitzen; wie lange er sich aber dieser Gnade erfreuen wird, ist zum Mindesten
                    ungewiss, denn die andere Seite legt überall Minen und arbeitet an seinem
                    Sturze. Wer der Nachfolger sein soll, ist sehr fraglich, in erster Linie wird
                    Graf <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0005741">Berchtold</persName> genannt. – Wollen Euere
                    Majestät es mir nicht verübeln, dass ich es wagte diesen unbefugten Bericht zu
                    schreiben; mein Herz ist aber so voll von all’ diesen traurigen Eindrücken, dass
                    ich es nicht unterlassen konnte! </p>
                <closer>
                    <salute>
                        <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0005741">Meine Frau</persName> und alle die Meinen legen
                        sich Euerer Majestät mit mir ehrerbietigst und in dankbarer Liebe und
                        ehrfurchtsvollster Anhänglichkeit zu Füssen, ich bleibe immer und überall
                        Euerer Majestät dankschuldiger, allerunterthänigster, treugehorsamster
                        Diener und Oberstmarschall </salute>
                    <signed>Max Egon zu <persName ref="https://actaborussica.bbaw.de/v9/P0005741">Fürstenberg</persName>
                    </signed>
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