Berliner Subskriptionsball im Jahre 1868; Ueber Land und Meer. Allgemeine Illustrirte Zeitung, 10. Jg. (1868), Bd. 19, Nr. 22 vom Februar 1868, S. 357.

Generalintendant Botho von Hülsen (vorn rechts) eröffnet mit einer Palastdame die königliche Polonaise, gefolgt von Wilhelm I. mit seiner Schwägerin, der Prinzessin Carl, sowie Königin Augusta mit ihrem Sohn, dem Kronprinzen Friedrich (III.) Wilhelm.

Berliner Subskriptionsball im Jahre 1868; Ueber Land und Meer. Allgemeine Illustrirte Zeitung, 10. Jg. (1868), Bd. 19, Nr. 22 vom Februar 1868, S. 357.

Es sei „sehr zweckmäßig, daß das Eis des Hofzeremoniells zuweilen aufthaut“. Mit diesen Worten beschrieb die vielgelesene Illustrirte Zeitung aus Leipzig vom 16. Februar 1856 ihren Lesern Ziel und Atmosphäre des kurz zuvor stattgefundenen Berliner Subskriptionsballs. Einst vom Generalintendanten der Königlichen Schauspiele Carl Graf von Brühl kreiert und im Berliner Schauspielhaus veranstaltet, war der Subskriptionsball nach vieljähriger Pause 1856 durch einen seiner Amtsnachfolger, Botho von Hülsen, wiederbelebt worden.

Von nun an und bis in die späte Kaiserzeit hinein bot das Opernhaus Unter den Linden die Kulisse für den Berliner Subskriptions- bzw. Opernhausball, der in mehrfacher Hinsicht eine Ausnahmestellung unter den preußischen Hofbällen einnahm. Bei ihm war meist die gesamte königliche Familie anwesend. In den Anfangsjahren galt er auch deshalb als etwas Besonderes, weil Friedrich Wilhelm III. dort nicht in der üblichen Militäruniform, sondern in einem speziell für diesen Ball gefertigten blauen Zivilfrack erschien. Die Atmosphäre schien zwangloser, weil sich der Monarch nach der königlichen Polonaise frei vom Zeremoniell unter den Gästen bewegte und mit ihnen plauderte.

Auch die Einladungspolitik zum Subskriptionsball war im Vergleich zu anderen preußischen Hoffesten außergewöhnlich. Hier konnte man nicht aufgrund von Geburtsadel, Hoffähigkeit oder Protektion erscheinen. Vielmehr kam ein ständeübergreifender Kreis zustande, weil zur begehrten Teilnahme allein vom Hof zugesandte Einladungslisten berechtigten. Diese Listen mussten die Auserwählten vorab subskribieren, also sich zu einer Zahlung verpflichtend unterschreiben. So hatten für ihre Einladung zum Ball am 25. Januar 1868 die geladenen Herren mit ihrer Unterschrift jeweils drei und die Damen zwei Taler zu zahlen. Der auf diese Weise zum Subskriptionsball im Januar 1868 gesammelte „Ueberschuss“ war „zum Besten der Nothleidenden in der Provinz Ost-Preussen bestimmt“. Für die namentlich Eingeladenen bedeutete die personengebundene Offerte des Hofes enormes Sozialprestige, während sich das Herrscherhaus durch Bürgernähe, Wohltätigkeit und soziales Engagement öffentlichkeitswirksam in Szene setzen konnte.

Heute geben die zahlreich überlieferten Namenslisten der Hoffeste, zumal wenn sie je nach Teilnahme oder Ablehnung korrigiert sind, Aufschluss über das Integrationspotenzial derartiger Festformate, denn höfische Feste waren nicht nur unverzichtbare Bestandteile monarchischer Repräsentation und politischer Kommunikation, sondern legen mit ihren Teilnehmerkreisen auch die womöglich sich wandelnde soziale Dimension der Monarchie offen. Reichhaltiges Material zu verschiedenen Hoffesten macht es möglich, die einzelnen Hoffest-Typen in Preußen zwischen 1786 und 1918 aufzubereiten und die Kriterien für die „Hoffähigkeit“ einzelner Personen oder bestimmter Kreise zu rekonstruieren. Zudem wird an diesem Material eine der Arbeitsthesen des Projekts, wonach im 19. Jahrhundert die gesellschaftliche Bedeutung des Hofzugangs und damit die Nachfrage danach zunahmen, überprüft. Ob sich aus dem Zugang zum Hof neue Gegensätze, etwa zu traditionalen Eliten, ergaben, wie sich der herkömmlich adlige Fürstenhof zu den Homines novi aus neuen sozialen, bürgerlichen Schichten verhielt, auch ob sozial exklusive, (alt-)adlige Veranstaltungen neben solchen mit breiterem sozialen Integrationsradius standen, ist bislang nahezu unbekannt.

Es sei „sehr zweckmäßig, daß das Eis des Hofzeremoniells zuweilen aufthaut“. Mit diesen Worten beschrieb die vielgelesene Illustrirte Zeitung aus Leipzig vom 16. Februar 1856 ihren Lesern Ziel und Atmosphäre des kurz zuvor stattgefundenen Berliner Subskriptionsballs. Einst vom Generalintendanten der Königlichen Schauspiele Carl Graf von Brühl kreiert und im Berliner Schauspielhaus veranstaltet, war der Subskriptionsball nach vieljähriger Pause 1856 durch einen seiner Amtsnachfolger, Botho von Hülsen, wiederbelebt worden. Von nun an und bis in die späte Kaiserzeit hinein bot das Opernhaus Unter den Linden die Kulisse für den Berliner Subskriptions- bzw. Opernhausball, der insbesondere durch seine Einladungspolitik eine Ausnahmestellung unter den preußischen Hofbällen einnahm. Hier konnte man nicht aufgrund von Geburtsadel, Hoffähigkeit oder Protektion erscheinen. Vielmehr kam ein ständeübergreifender Kreis zustande, weil zur begehrten Teilnahme berechtigende Einladungslisten von Interessenten vorab subskribiert, also bezahlt, werden mussten. Diese Einladungslisten wurden, wie bei den anderen Hoffestlichkeiten auch, vom Hof selbst verwaltet. Bei dem Subskriptionsball wurde eine Öffnung des Teilnehmerkreises erreicht, weil Einlass gegen Bezahlung gewährt wurde, während bei den anderen Hoffesten die klassischen Kriterien der Hoffähigkeit ausschlaggebend waren.

Höfische Feste erfüllten – wie jedes Fest – die Funktion, ein Zusammengehörigkeitsgefühl bei Teilnehmern und Teilnehmerinnen aufkommen zu lassen und sich zugleich gegenüber den Nicht-Teilnehmenden abzugrenzen. Durch das Schaffen von besonderen Momenten konnten Feste eine integrative Wirkung für die Beteiligten in Gegenwart und Zukunft entfalten. Zugleich riefen die höfischen Feste die bestehende politisch-soziale Ordnung ins Bewusstsein, weil sie einem Zeremoniell unterlagen. Den Subskriptionsball prägte zwar auch ein Ablaufplan, allerdings wich die Einladungspraxis von der zu den anderen höfischen Festen ab, weil die Hoffähigkeit hinter der Zahlungsbereitschaft der Einzuladenden zurücktrat. Es bleibt zu überprüfen, ob der Subskriptionsball eine Besonderheit unter den vielen verschiedenen Festen des Berliner Hofs im Laufe des 19. Jahrhunderts blieb.

Die überwiegende Mehrzahl der höfischen Feste am Berliner Hof wurde jährlich begangen. Dazu zählen dynastische Feste wie Geburtstage und Gedächtnisfeiern, Feste des Kirchenjahres (Abendmahl zu Ostern, Weihnachten, Silvester) sowie die Ballsaison. Die Wintersaison bildete, wie an anderen Höfen auch, den glänzenden Höhepunkt und Auftakt eines jeden Jahres. Sie war gekennzeichnet von mehreren Hofbällen, Couren, den Subskriptionsbällen sowie Konzerten. In diese Saison fiel am Berliner Hof das Krönungs- und Ordensfest, das meist um den 18. Januar, einem symbolträchtigen Tag für das preußische Königreich, begangen wurde. Nach dem Mardi gras (Faschingsdienstag) wurde die festliche Geselligkeit mit Soireen bis in die Osterzeit fortgesetzt. In der Pfingstzeit wurde vor dem Neuen Palais in Potsdam das Stiftungsfest des Lehr-Infanterie-Bataillons begangen, das die Verbindung zwischen Thron und Militär ausdrückte. Aus Anlass von dynastischen Ereignissen, wie Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen, oder wenn fremde Gäste den Berliner Hof besuchten, also anlässlich einmalige Ereignisse, gab es im Laufe des Jahres weitere Festlichkeiten, die in ihrem Aufwand und in ihrem Teilnehmerkreis unterschiedlich ausfielen.

Das umfangreich überlieferte Material zu den Festen am Berliner Hof gibt Aufschluss über Hoffest-Typen zwischen 1786 und 1918 und darüber, wie die verschiedenen Festarten vorbereitet wurden und abliefen. Einladungslisten, Festprogramme, Festbeschreibungen sowie dienstliche Korrespondenzen im Zusammenhang mit der Vor- und Nachbereitung von Festen vermitteln eine Vorstellung davon, wie sich die preußische Monarchie bei besonderen, nichtalltäglichen Anlässen präsentierte und vor allem, vor wem sie das tat. Bei der Auswertung und Auswahl editionswürdiger Quellen wird besonders auf Kontinuitäten und Wandel in der höfischen Festkultur des 19. Jahrhunderts geachtet, sowie nach der Integrationskraft dieser Feste gefragt. Die Teilnehmerlisten ermöglichen Aussagen zur sozialen Integrationskraft von höfischen Festen. Zugleich werfen sie die Frage auf, ob im Laufe des 19. Jahrhunderts Vertreter des politisch an Bedeutung gewinnenden Bürgertums Zutritt zum Hof erhielten und zeigen in der Konsequenz, wie anpassungsfähig die preußische Monarchie an ihre Zeitumstände war.

Höfische Feste im Wandel?, in: Praktiken der Monarchie, hrsg. vom Akademienvorhaben "Anpassungsstrategien der späten mitteleuropäischen Monarchie am preußischen Beispiel (1786-1918)", Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin, Version 6 vom 06.10.2022, URL: https://actaborussica.bbaw.de/v6/P0006474

Kanonische URL

https://actaborussica.bbaw.de/P0006474