Entdecken Sie die Themen des 1. Moduls

Im Zeitraum von 2017 bis 2019 beschäftigt sich das Projekt mit den höfischen Strukturen und der monarchischen Herrschaftspraxis, wobei drei verschiedene Themenschwerpunkte gewählt wurden. Durch Klicken auf die Themenkacheln finden Sie Einführungen in diese drei Schwerpunkte mit passenden Beispieldokumenten.

Über das Projekt

In dem Akademienvorhaben „Anpassungsstrategien der späten mitteleuropäischen Monarchie am preußischen Beispiel 1786 bis 1918“ werden die Integrationsleistungen und -grenzen der späten preußischen Monarchie in einer sich wandelnden Gesellschaft untersucht. Das Projekt überprüft damit die These der Neuerfindung der Monarchie im langen 19. Jahrhundert. Es erarbeitet ein 13-bändiges, thematisch gegliedertes Editionswerkes mit dem Ziel, anhand bislang ungedruckter Quellen die Praktiken und Symbolik der späten Monarchie, kurz: die heute nicht mehr geläufige Symbolsprache der Monarchie offenzulegen und wieder lesbar zu machen. Das Logo dieser Website, der Kammerherrenschlüssel der preußischen Könige von 1786 bis 1861, verweist auf zentrale Aspekte der Projektarbeit: Er steht allgemein für das Kernthema des Projekts – den Hof, der sozial- und kulturgeschichtlich untersucht wird und dem die Kammerherren als eine große Gruppe der Hofbeamten angehörten. Ferner weist der Schlüssel als ein prunkvolles Rangabzeichen auf die Bedeutung hin, die Symbolik in höfischen Gesellschaften als Teil der Selbstinszenierung und Artikulation hatte und die am Beispiel der preußischen Monarchie rekonstruiert wird. Die das Projekt begleitende Webseite „Die Sprache der Monarchie“ stellt sukzessive die zu bearbeitenden Themenkomplexe vor. Außerdem enthält die Webseite verschiedene Online-Module, in denen Forschungsdaten präsentiert werden, die neben den Quellenbänden erhoben worden sind.

Die Online-Module bieten vielfältige Informationen und Recherchemöglichkeiten zu Organisation, Lebenswelt und Praktiken der preußischen Höfe sowie zu Biographie und Wohnsituation von Berliner Hofbeamten. Das Projekt erarbeitet seine Editionen und Forschungsdaten in enger Kooperation mit Fachkollegen im In- und Ausland, insbesondere mit dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem.


Höfe in Preußen: Organisation und Repräsentation

Den preußischen Hof hat es im langen 19. Jahrhundert nicht gegeben, denn in Preußen existierten zeitlich parallel mitunter mehr als zwanzig Hofstaaten. Mittelpunkt dabei bildete immer der Hof des Königs als das funktionale und repräsentative Zentrum der preußischen Monarchie.

Daneben unterhielten in Preußen auch die Königin, der Kronprinz und die Kronprinzessin sowie sämtliche Prinzen und Prinzessinnen jeweils einen eigenen mehr oder minder aufwändigen Hofstaat, d. h. einen hierarchisch strukturierten Stab von Bediensteten. Eine moderne Monarchie- und Hofforschung hat diese Besonderheit zu berücksichtigen, um ein verlässliches Bild über das Hofleben in der preußischen Monarchie in der Zeit von 1786 bis 1918 erstellen zu können. Dementsprechend nimmt das Projekt neben den Höfen von Monarch und Monarchin, von Kronprinz und Kronprinzessin exemplarisch weitere ausgewählte Hofstaaten der Hohenzollern in den Blick und fragt nach den Strukturen, den Akteuren und Akteurinnen der Hofämter, nach deren quantitativen Dimensionen und der Entwicklung der Hofausgaben. Daraus ergeben sich weitere Fragen, wie die, ob die Hofstaaten volatil, also an die Lebensdaten ihrer Dienstherren gebunden waren, und ob die Vielzahl von Hofstaaten kulturell relevante oder sogar politische Neben- bzw. Gegenhöfe hervorbrachte. Für Preußen hat die Forschung die These aufgestellt, dass die Hofämter gegen Ende des 19. Jahrhunderts bedeutend expandierten. Dies überprüft das Projekt durch eine quantitative wie auch qualitative Analyse der Hofämterstruktur. Ebenso wird vermutet, dass sich die Hofgesellschaft in Preußen, das heißt der Personenverband mit permanentem Zugang zum Hof, während des 19. Jahrhunderts gegenüber anderen Gesellschaftskreisen öffnete und tendenziell verbürgerlicht wurde. Hierzu erschließt das Projekt bislang ungenutzte Quellen, die Kenntnisse über individuelle Karriereverläufe sowie das Leben an preußischen Höfen freigeben. In diesem Zusammenhang sollen die Quellenrecherchen ferner Aussagen darüber ermöglichen, ob es „Hoffamilien“ gab, weil man Hofbeamte über Generationen hinweg aus bestimmten Familien rekrutiert hat. Daran schließt sich die Betrachtung der sich ändernden symbolisch-kommunikativen Beziehungen zwischen Hof/Monarchie und Untertanen/Gesellschaft an: Insbesondere die Entschlüsselung der an Preußens Höfen praktizierten Symbol- und Zeichensprache (u. a. in Form von Hofzugang, Rangordnung, Uniformen, Zeremoniell, Herrscher- und Familienporträts) wird ermöglichen, moderne Formen der Identitätsstiftung in der späten preußischen Monarchie auszumachen und verallgemeinernd deren Integrationspotenziale und Leistungsgrenzen darzulegen.