I/68b. Schreiben von Prinzessin Marie an den Oberkammerherrn und Hausminister Wilhelm Fürst zu Wittgenstein

RegestBefürchtung einer Intrige der königlichen Oberhofmeisterin Gräfin Wilhelmine van Reede wegen der Einstellung der Gräfin Fürstenstein als Oberhofmeisterin von Prinzessin Marie – Festhalten der Prinzessin an der Gräfin Fürstenstein

Ich konnte in dem Andren mehr officiellen Schreiben, Ihnen lieber Fürst nicht aus einander setzen, daß eigentlich Mama glaubt, und mir gesagt hat, ich möchte Sie darum befragen — daß nemlich Gräfin Reeden wohl einen Einspruch machen dürfte, oder einen Rath am Könige ertheilen möchte, in Hinsicht der Wahl der Gräfin Fürstenstein, aus dem Grunde, weil der letzteren Mann von geringer Herkunft und seine Mama ganz unbedeutend war! und deßhalb seine Witwe keinen Anspruch auf eine solche hohe Stellung, als die einer Oberhofmeisterin machen könnte! — Um einen solchen Einspruch nun zu vermeiden, meint Mama würden Sie sehr recht thun, mit Gräfin Reeden über die ganze Angelegenheit zu sprechen und auf diese Weise ihr zuvor zu kommen; indem Sie dadurch jedweder Bemerkung, seitens der Gräfin vorbeugen. — Wenn der Prinz und Sie, mit dem Könige über diese Angelegenheit gesprochen haben, wünschte ich zu wissen, ob Sie es für besser halten, wenn ich alsdann der Königin einige Worte darüber schriebe, oder wartete, bis zu meiner Rückkehr nach Glienicke, welche wahrscheinlich am 21ten erfolgen dürfte, um dann die Sache der Königin mündlich vor zu tragen. — In jedem Falle bitte ich Sie, mir ihre Meinung zu kommen zu lassen, nachdem Sie darüber mit Karl gesprochen haben, weil ich mich nach ihrem Rathe in dieser Angelegenheit richten will! — Wann und auf wie viel Tage kommt Gräfin v Fürstenstein nach Berlin zurück? – Denn es wäre alsdann auch gut daß ich heimgekehrt, damit ich die Gräfin mit ihrer Tochter empfangen könnte! —

Mit aufrichtiger Anhänglichkeit gedenke ich Ihrer und ersuche Sie diesen Brief sogleich zu zerreißen oder zu verbrennen, und mich ferner in Kenntniß jeder weiteren Verhandlung zu setzen. —