I/155c. Gesuch des Hofmarschalls Ludwig von Meyerinck an den Oberkammerherrn und Hausminister Wilhelm Fürst zu Wittgenstein

RegestGefühl der Zurücksetzung durch neue Ernennungen – Bitte um Abschied und Pension
Euer Durchlaucht

haben mir so vielfältige Beweise von gütigem Wohlwollen gegeben, mir so oft freundlichen Rath ertheilt, daß ich auch jetzt in einer ernsten Angelegenheit meines Lebens denselben vertrauungsvoll in Anspruch nehme.

Euer Durchlaucht ist es bekannt, daß ich in Hinsicht der Ernennung des Grafen von Pourtales als Hofcharge vor mir, eine Zurücksetzung zu erkennen mehr als gezwungen bin. Euer Durchlaucht haben bei dieser Gelegenheit sich meiner schon gütigst angenom̅en. Der König aber hat gegen mich entschieden, und ich habe als mir die Entscheidung bekannt geworden, und zwar in der Abwesenheit Euer Durchlaucht in Gasteine, an Sr. Majestät den in Abschrift beigefügten Brief geschrieben, und die im Original beigefügte Antwort erhalten. Den Eindruck den Letztere mir gemacht, bin ich unfähig Euer Durchlaucht zu schildern, noch jetzt nach Verlauf von mehr als sechs Wochen, bin ich bei erneuerter Durchlesung davon auf das Schmerzlichste berührt. Sr. Majestät sagen darin daß Allerhöchstdieselben “Gott zum Zeugen nehmen daß Allerhöchstsie mir keine Zurücksetzung hätten zu theil werden lassen wollen“; wie aber soll ich dieß mit dem Schreiben des Geheimen Kabinetsrath Müller an Euer Durchlaucht in Übereinstim̅ung bringen, worin Sr. Majestät ausdrücklich befehlen, daß die Ernennung des Grafen von Pourtales vor mir geschehen solle. Unbezweifelt hat doch also dem Grafen vPourtales hiedurch eine Vergünstigung zu theil werden sollen, und ist dieß der Fall so muß mir doch eine Zurücksetzung zu theil geworden sein. Sr. Majestät sagen ferner, daß der Hofmarschall vMassow noch lange das Haus verwaltet habe; dagegen muß ich erwiedern, daß ich nie aufgehört habe die Funktionen des Hofmarschalls auszuüben, und daß Sr. Majestät ohne Unterbrechung alle Befehle an mich haben gelangen lassen, und daß Herr vMassow de facto aufgehört hatte Hofmarschall zu sein. Der Schluß Seiner Majestät Schreiben beweißt aber, auf eine für mich sehr schmerzhaften Art, daß Allerhöchstdieselben eine Angelegenheit, die mich mehr als schmerzhaft berühren mußte, als einen leichten Scherz behandelt, wobei ich allerdings anerkennen muß, daß meine Gesundheit geschwächt, und daß ich mehr als halb invalide bin, worauf Seiner Majestät sehr scherzhaft hinzudeuten geruhen.

Meinen eigenen Gefühlen nach, und nach einer ernsten Prüfung, muß ich nach Alle diesem, den dringenden Wunsch hegen, meinen Abschied zu nehmen und zu erhalten. Leider bin ich aber weder reich noch wohlhabend, und kann einen solchen Schritt nur thun, wenn die Gnade Seiner Majestät des Königs mir eine Pension bewilligt, die meiner langen Dienstzeit und dem persöhnlichen Verhältniß in dem ich die Ehre habe zu Sr. Majestät zu stehen, entspricht. Hiefür nehme ich Euer Durchlaucht Gnade in Anspruch, wohl wissend, daß wenn Euer Durchlaucht sich meiner in dieser Angelegenheit annehmen, diese Pensions-Bewilligung zu erreichen sein dürfte. Erlauben Euer Durchlaucht daß ich noch mündlich über diesen Gegenstand mit Ihnen sprechen darf, und genehmigen Hochdieselben die innigen Gesinnungen meiner Verehrung mit denen ich zu sein die Ehre habe

Euer Durchlaucht
ganz gehorsamster Diener