
Erst vor einiger Zeit ist mir eine von Ew K M ergangene Allerhöchste Bestimmung bekannt geworden, die auf meine dienstliche Stellung von so entscheidenden Einfluß ist, daß ich an die Gnade und an die Gerechtigkeit Ew K. M. vertrauungsvoll zu wenden mich gezwungen sehe.
Ew K M haben dem Vernehmen nach dem Grafen von Pourtales die Anciennität unter den Königl. Hof Chargen vor mir einzuräumen die Absicht. Dieser Bestimmung gemäß wird mir eine Zurücksetzung zu theil, die ich weder in die mir von Ew K. M. bisher bezeigte Gnade, noch in dem eigenen Gefühle des Strebens treuer PflichtErfüllung zu erwarten voraussetzen durfte. Die Verdienste des Grafen v Pourtales ehrend, die unabhängige Stellung, die ihm ein großes Vermögen sichert anerkennend, darf ich diesen Vorzügen eine 25jährige Dienst-Zeit im Militair, und eine 12jährige am Hofe des Prinzen von Preußen und Ew K M. entgegen stellen, und mit Freudigkeit sagen, daß ich in den Jahren 1813,14 u 15 eine Zeit des Preußischen Stolzes und Ruhmes mit erlebt, um die selbst der Graf v Pourtales mich zu beneiden Anlaß finden dürfte, da gerade er sich früher selbst in französischen Militair-Dienst, und später im CivilDienst des Kaisers der Franzosen befand. Ist dieß Verhältniß, daß mich unter den Fahnen meines angestammten Königs fand, für mich auch nur natürlich und haben es die Angelegenheiten des Gr. v Pourtales nötig gemacht, sich unter den gegenüber stehenden zu befinden; so darf ich doch glauben, daß dieß ein Grund für mich seÿn dürfte, daß Ew. K. M. mich dem Grafen v Pourtales nicht nachstellen werden. Ganz der Gerechtigkeit Ew. K. M. vertrauend erlaube ich mir noch anzuführen, daß eine Allerhöchste Cabinets Ordre des hochseligen Königs Majestät gerade für die HofChargen feststellt, daß nur die Dienstzeit deselben für ihren Rang unter sich entscheiden sollte, und so erhielt der H. v Massow den Rang hinter dem Grafen v. Redern, obgleich Ersterer an dem Hofe Ew. K. M. als Kronprinz vor demselben gestanden hatte. Ich habe die Ehre gehabt Ew. K. M. Hofmarschall zu sein als Allerhöchstdieselben den Thron Ihrer Väter bestiegen, Ew K M. haben mich würdig gehalten, mir diesen Posten zu belassen, und ich darf daher hoffen, daß Allerhöchstdieselben mir nicht eine öffentliche Zurücksetzung erfahren lassen, die ohne den Grafen v. Pourtales zu beglücken, mich auf das Tiefste betrüben muß.
In einem vorgerückten Alter, nach einer 37jährigen Dienst-Zeit im Militair und bei Hofe, wo ich zu andern Aemtern mich nicht mehr fähig machen kann und stets gemahnt in dem Dienste EKM meinen Lebensberuf und mein Glück zu suchen, würde ich zwar eine solche Zurücksetzung ertragen müssen, allein ich wage es an EKM. eigenes Ermessen und besonders an Allerhöchstdero Mitgefühl zu appelliren, ob ich nicht bei Ausübung meines Amtes schmerzhaft davon berührt zu bleiben stets gezwungen seÿn würde.