III/29. Handschreiben Friedrich Wilhelms III. an Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg

AnmerkungDie Abschrift ist von der Hand Wittgensteins.
RegestDer König bedauert, dass Hardenberg seine Absicht missverstand. Die Zuziehung Wittgensteins zu seinen Vorträgen erfolgt nicht, weil er Hardenberg nicht traut oder um Hardenbergs Ehre und Ansehen herabzusetzen. Vielmehr will er Hardenbergs Einsichten und Erfahrungen so lange als möglich nutzen. Dessen Anträgen wegen Vereinfachung der Geschäfte bei der Post sieht der König entgegen, wünscht aber, dass Hardenberg ihm diese Anträge vor seinem Vortrag übersendet, damit er sich vorbereiten kann und um den Vortrag für beide zu erleichtern.

Mit Bedauern habe ich aus Ihrem Schreiben ersehen, daß Sie das meinige in Betreff der Zuziehung des F. Wittgenstein zu Ihren Vorträgen ganz misverstanden haben und seinen Inhalt als einen Mangel meines Vertrauens betrachten, worüber ich Sie noch ohnlängst ganz beruhiget zu haben glaubte. Ich kann unmöglich einräumen, daß dieses Ihrer Ehre nachtheilig sey, in der Welt Aufsehen erregen wird, oder daß ich dabei beabsichtigt hätte, einen Controlleur zu Ihren Vorträgen zu ernennen und es war mir daher unerwartet, daß Sie meiner Absicht diese Auslegung gegeben haben. Ich habe Ihnen schon gesagt, daß ich Ihre Einsichten und Erfahrungen solange als möglich zu benutzen wünsche und ich erwarte daher daß sie dieses bei Ihren Vorschlägen, die Sie mir nach Ihrer Rückkehr von Pyrmont einreichen wollen, auf alle Weise berücksichtigen werden.

Ihre Anträge wegen Vereinfachung der Geschäfte, wegen der Organisation der Post werde ich entgegen sehen; ich wünsche aber daß Sie mir solche einige Zeit vor Ihrem Vortrag überschicken, um mich dazu vorzubereiten und Ihnen und mir den Vortrag zu erleichtern.

Sehr gerne bewillige ich Ihnen übrigens den Kururlaub nach Pyrmont und wünsche recht aufrichtig, daß der Gebrauch des dortigen Brunnens auch diesesmal Ihrer Gesundheit recht wohlthätig werde.